Quilotoa - ein Dorf und sein Kratersee

Anreise nach Quilotoa

Von Latacunga aus machten wir uns morgens auf den Weg nach Quilotoa. Reiseberichte versprachen hier eine atemberaubende Lagune in einem Krater. Also ein Kratersee. Durch die Algen, die in dem See wachsen, hat der See eine schöne, grün – türkise Farbe.
Für 2 Dollar pro Person sassen wir in einem Bus mit jeder Menge Einheimischen, die in den tollen, traditionellen Kleidern gekleidet waren und noch drei anderen Touristen. Die Fahrt ging bergauf, um Kurven und noch weiter hinauf, Quilotoa liegt nämlich auf ca. 4000 Metern ü.M.. Entweder lag es an der Höhe oder daran, dass wir unbewusst recht viel getrunken hatten, aber irgendwann mussten wir während dieser 1.5 stündigen Busfahrt aufs Klo. Und als wäre das nicht schon unangenehm genug, musste ich so dringend, dass ich den Busfahrer bat anzuhalten. Der meinte nur 5 Minuten noch bis zum Klo. Das waren, glaube ich, die längsten 5 Minuten meines Lebens, aber am Ende erwartete mich tatsächlich perfekte Baños. Zack aus dem noch rollenden Bus gesprungen und dort hinein gesprintet, damit der restliche Bus nicht so lange warten muss. Als ich zurück kam, waren wohl noch weitere aufs WC, denn wir warteten noch (Luki nutzte die Chance ebenfalls) und hinter uns rief schon ein Einheimischer ungeduldig, aber dennoch belustigt „Vamos!“. Der Busfahrer wartet aber lieb auf alle und nahm dann noch die letzten 30 Minuten in Angriff.

Quilotoa – der Kratersee

Oben angekommen liefen wir durch ein grosses Eingangsportal, welches irgendwie aussah als stünde es im Nirgendwo, in das Dorf hinein. Unsere Sachen konnten wir schon in unserem Hostel deponieren und machten uns weiter auf den Weg Richtung Kraterrand, der sich nach dem verschlafenen Dorf auch vor uns offenbarte. Die Aussicht ist um einiges toller und beeindruckender als Fotos das zeigen könnten und es war noch kaum einer da. Die Felsen fallen teils senkrecht in den Krater hinab und man kann eindeutig den Vulkan erkennen.
Es gibt die Möglichkeit einmal um den See (Quilotoa Loop, 10km) herumzulaufen, eigentlich permanent auf der Gräte und immer mit einer tollen Sicht auf entweder den See oder die umliegenden Berge und Canyons. Dies hatten wir ursprünglich geplant, verwarfen diese Idee aber, um nach unten an den See zu laufen.
Dies ist die nächste Möglichkeit, die, wie wir feststellen mussten, die meisten Tagesgäste in Angriff nehmen. Da wir den Morgen und Vormittag in dem Dorf verbummelt hatten, wollten wir am Nachmittag auf den Weg nach unten starten, nur um festzustellen, dass hunderte weitere Touristen (hauptsächlich Ecuadorianer), die gleiche Idee hatten. Der gut ausgebaute, stellenweise sehr steile und rutschige (der Boden ist sehr sandig) Weg war voll Familien und vor allem Pferden. Die Pferde werden als lebendiger Aufzug benutzt, wer es von unten nicht mehr hoch schafft (immerhin 280 Höhenmeter auf 3900 Metern) kann sich für 10 Dollar von einem Pferd nach oben schleifen lassen. Während mir die „Menschenmassen“ nicht so viel ausmachten, war es für mich der Horror mit anzusehen, wie die Pferde hier gequält wurden. Viel zu schwere Menschen sassen auf viel zu kleinen, teilweise zu jungen Pferden und wurden, kaum oben angekommen, den Weg wieder hinunter gejagt. Teilweise über Stufen und wenn ein Pferd auf dem Weg nach oben stehen blieb um zu verschnaufen, bekam es einfach einen Schlag mit dem Stock, damit es weiter läuft. Das war schwer erträglich für mich und hat mich so wütend gemacht, dass ich auf dem ersten Drittel wieder gekehrt machte und mich mit dem Kraterrand zufrieden gab.
Da es nun auch zu spät war, um den Quilotoa Loop zu starten, hatten wir ausgiebig Zeit das Dorf zu erkunden.

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Quilotoa – das Dorf

Das Dorf ist sehr klein und die meisten Gebäude sehen super neu aus. Ebenso der Aussichtspunkt, sowie der angelegte Weg nach unten zum Seeufer. Alles lässt darauf schliessen, dass das Dorf noch nicht lange ein kommerziell touristischer Anlaufpunkt ist. Ebenso sind die meisten Hostels, von denen es echt viele gibt, nicht / kaum im Internet vertreten. Dort findet man auf den einschlägigen Seiten nur drei Stück. Ich denke, man könnte dort auch einfach hinfahren und vor Ort eine Unterkunft suchen. Unser Hostel war ganz am Anfang der einzigen Strasse (ca. 700m lang) durch das Dorf. Während man die Strasse entlangläuft passiert man viele Baustellen, es werden Hostels und Restaurants, sowie Shops gebaut. Bei einem zweiten offiziellen Passierpunkt, registrieren sich die Besucher, vermutlich zu Erhebungszwecken o.ä., denn die „Ausreise“ wird nicht kontrolliert. Dann ist man im Dorfkern. Dort stehen viele Souvenirshop, in denen man die tollen traditionellen Kleider und Ponchos kaufen kann, aber auch jede Menge andere Sachen, wie Plüschlamas und Teddymützen. Die Bewohner verfallen ab dem Mittag in ein emsiges Treiben, man sieht häufiger Leute zwischen den Restaurants und Shops hin- und herrennen, um Geld zu wechseln. Ein 20 Dollarschein ist manchmal schon ein Problem und man wird immer gefragt, ob man es kleiner hat. Am Ende der Strasse befindet sich der Hauptaussichtspunkt auf dem sich die Besucher tummeln und Fotos ohne Ende schiessen. Ein paar Meter weiter rechts davon ist nur noch ein Trampelpfad und kaum einer befindet sich dort. Das Dorf ist sehr gemütlich und alle heizen die nicht isolierten, mit einfachverglasten Fenstern ausgestatteten Häuser mit einem Holzofen. Am Abend zogen Wolken auf. Auf Grund der Höhe, waren wir quasi mitten in der Wolke und es regnete ein bisschen. Ausserdem wurde es danach sehr, sehr kalt.

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Da unser Zimmer keine Heizung besass, flüchteten wir uns ins Dorf in ein beheiztes Restaurant und bestellten die lokalen Gerichte, die jeweils nach dem Fleisch auf dem Teller benannt sind, aber viele tolle Beilagen haben, zur Belustigung der gesamten Belegschaft alle ohne Fleisch. Aber wie immer – kein Problem und sehr, sehr lecker.
Zugegebenermassen froren wir uns in der Nacht den A*** ab, trotz mehrlagigen Wolldecken und warmen Kleider, überlebten es jedoch und nach einem Frühstück in der warmen Stube, der Hostelfamilie machten wir uns auf den Weg nach Chugchilán.

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