Innerschweiz in Costa Rica

Mit unserem gemieteten Auto sind wir – Lukas als Fahrer – auf nach El Castillo. Ein kleiner Ort südwestlich des Arenal-Vulkans. Der Hauptort hier nennt sich La Fortuna, dort waren wir allerdings nie, er ist aber Ausgangspunkt für recht viele Touren zum Nationalpark, See und Vulkan.

 

El Castillo

Auf einem Hügel in der Nähe des Vulkans mieteten wir ein Doppelzimmer auf einer riesigen Farm. Der Besitzer – wie sich herausstellte ein Italiener, hat das ganze Gelände gekauft und baut dort nun alle möglichen Früchte, Kaffee und Kakao an. Man kann eine 45-minütige Wanderung, die teilweise durch unberührten Dschungel (ausser dem Wanderweg) führt über das Gelände machen und verlässt niemals die Farm. Wir fanden noch einen Pool und ein Volleyballfeld. Nach der Wanderung über die Farm machten wir uns mit einem US-Amerikaner im Schlepptau auf den Weg zu einem Wasserfall. Dies wurde uns von dem Mitarbeiter des Gasthauses empfohlen, der super lieb und engagiert ist. Der Wasserfall liegt fünf Kilometer weg von der Unterkunft und da der Weg ein Privatweg ist, zahlten wir am Anfang der Strecke an einem Wohnhaus fünf Dollar pro Person an eine ältere Dame. Dann ging es erst mal bergauf und es begann zu regen, wie aus Eimern. Nach 20 Minuten waren wir durchnässt und hofften, auf dem richtigen Weg zu sein. Es ging über einen matschigen und rutschigen Pfad immer weiter bergauf, bis wir auf einem kleinen Plateau ankamen. Der Regen hatte schon eine Weile aufgehört und wir hatten nach rechts eine immer bessere Sicht auf den See geniessen können. Als wir jedoch auf dem Plateau ankamen offenbarte sich uns eine glasklare und (quasi) wolkenlose Sicht auf den Vulkan! Wahnsinn, dass gibt es nur selten und die Sicht hätten wir vom Nationalpark, der am Fusse des Vulkans liegt, nicht gehabt. Völlig begeistert gingen wir dann noch die restlichen 20 Minuten weiter zum Wasserfall, der ebenfalls sehr beeindruckend war. Ca. 15 Meter hoch könnten wir von unten das Wasser hinunter stürzen sehen. Nach einem kleinen Picknick dort, machten wir uns auf den 1.5-stündigen Rückweg, bei dem der Vulkan schon wieder von leichten Quellwolken umgeben war.

VulkanJPG

WasserfallJPG

Aber als wäre das nicht schon genug für einen Tag, bekamen wir noch den Tip vom Besitzer Richtung La Fortuna zu fahren und dort in den heissen Quellen zu baden. Da wir das Auto hatten, stellte das für uns keinen grösseren Aufwand da und wir packten den Amerikaner ein und fuhren nach unten zum Tabacón Spa. Das Spa ist sehr luxuriös und auch ziemlich teuer. Lustigerweise kann man dort an der Strasse parken und einfach gegenüber vom Spa-Eingang einen Weg hinunterlaufen und man kommt zu den genau gleichen heissen Quellen, einfach nicht auf dem Luxusgelände, dafür kostenlos. Hierzu muss man sagen, dass die heissen Quellen, entgegengesetzt zum Rincón de la Vieja Nationalpark, keine kleinen Pools sind, sondern ein kompletter Fluss mit sehr angenehmer Temperatur, der dort einfach mitten durch den Dschungel fliesst. Hier sassen wir also nun, mitten im Wald in einem heissen Fluss umgeben von Einheimischen und bekamen unsere Münder vor Staunen nicht mehr zu. 

Ein weitere Amerikaner, der separat mit seine Frau dort hingefahren war, sagte beim (sehr feinen) Abendessen, er habe nun endlich das Gefühl, alles in seinem Leben ergäbe einen Sinn und habe ihn zu diesem einen Moment geführt. Hahaha voll süss, wir mussten jedoch zugeben, dass es für uns zwar super schön, aber vielleicht dann doch nicht ganz so einschneidend war.

 

Monteverde

Am nächsten Tag ging es für uns schon weiter nach Monteverde. Auf dem Weg dorthin machten wir noch halt mal Los Heroes, ein kleiner Schweiz Nachbau am See. Hier hat ein Schweizer über Jahre mehrere Chalets, eine kleine Kapelle und vor allem eine (befahrene!) Eisenbahnstrecke mit Viadukt nachgebaut. Wir tranken dort ein Kaffee und bewunderten das Restaurantchalet von innen, welches wirklich authentisch aussah. Es gibt dort sogar Kafi Fertig. Nach dem kurzen Stopp ging es weiter und wir erreichten Monteverde nach einer ziemlich holprigen Fahrt durch eine sehr schöne Landschaft (wie im Entlebuch).

In Monteverde waren wir dann für drei Nächte und hielten uns gerne in dem liebevoll eingerichteten, sehr offen gestalteten Hostel auf. Da wir bereits einige Wanderungen gemacht hatten und noch mehr in Aussicht standen, entschieden wir uns hier keinen Nationalpark zu besuchen. Was wir jedoch gemacht haben, ist ein kleiner ca. einstündiger Rundweg, der über 8 Hängebrücken führt. Das hat uns sehr gut gefallen, da wir nun auch mal den Nebelwald von oben betrachten könnten und man dann doch mehr Vögel gesehen hat, als man es von unten tut. Ausserdem sehen die riesigen Bäume einfach abgefahren aus von da oben. 
BaumvonobenJPG

HngebrckebodenJPG

Wir haben Monteverde eher teuer gefunden und deswegen nach ein paar günstigen Möglichkeiten gesucht. Gefunden haben wir eine Führung im Bat Jungle (Fledermausdschungel), der von einem Belgier betrieben wird. Das war absolut faszinierend und wenn ich nach Hause komme, baue ich ein Bat House, in dem die Fledermäuse Unterschlupf finden können. Es gibt nämlich eigentlich mehr Fledermäuse als Vögel, aber da es ihnen an Unterschlupf fehlt, sterben sie langsam aus =(. Ich denke, dazu mache ich noch mal einen separaten Eintrag.
Fledermausjpg

Ausserdem waren wir noch in einem Frog Pond. Was sich eigentlich als Teich übersetzt, stellte sich leider als Zoo heraus und die Frösche sassen in (schönen) Terrarien. Da viele nachtaktiv sind, wollten wir sie nicht mit übertriebenem Leuchten von den uns ausgehändigten Taschenlampen stören und gingen somit recht schnell durch. Was noch ein kleines Highlight war, war dass der Nationalfrosch von Costa Rica sich direkt an der Scheibe niedergelassen hatte und wir ihn somit schön beobachten konnten (beim Schlafen). Putzig ist er.
Nationalfroschjpg

Für den letzten Abend planten wir eine geführte Nachtwanderung ein, vor der ich ziemlich gebibbert habe. Wer weiss, was man in der Dunkelheit alles übersieht und dann reinrennt? Waaahhh. Meine Ängste waren total unberechtigt und es war eine faszinierende Führung, bei der die Guides (es waren mehrere Gruppen) absolut respektvoll mit den Tieren umgegangen sind. Wir haben ein ganz flinkes Faultier gesehen, welches Bambus hochkletterte, dann gab es noch einen rotäugigen Frosch, eine Tarantel, ein Opossum, eine Baby Bao constrictor beim Trinken (jööö) und eine paar schlafende Vögel. Unteranderem ein Tukan. Die waren so niedlich, die Vögel. Sie sitzen einfach auf einem Ast und egal wie viel es windet, ein Reflex hält die Krallen so fest geschlossen, dass sie nie herunterfallen. Da es ziemlich regnerisch und stürmisch war, gab es da einige lustige Sichtungen. Da musste sogar der Guide lachen.
Boaconstritorjpeg

Froschjpeg

Völlig durchnässt, aber glücklich kamen wir zurück ins Hostel. Am nächsten Morgen ging es dann weiter, wieder zurück nach San José um das Auto abzugeben. Wegen der Streiks fuhren wir bereits um 5 Uhr los und kamen mit einer kleinen Verspätung auf Grund des Berufsverkehrs dort an. Leider haben einen Schaden am Auto verursacht, vermutlich auf einer der unbefestigten Strassen. Das hat uns 169 Dollar gekostet. Haben aber heute von der Zusatzversicherung Bescheid bekommen, dass sie den Schaden komplett übernehmen. Da haben wir uns gefreut.
Von San José aus haben wir uns direkt wieder auf den Weg gemacht nach Tortuguero, einem Nationalpark / Naturreservat, was man nur per Boot (oder Flugzeug) erreichen kann. Darüber gibt es dann mehr im nächsten Post.