Cuenca - Altstadt, Ruinen und eine Señora

In Cuenca angekommen, kamen wir bei einem Amerikaner unter, der in seinem Haus genau zwischen Busbahnhof und Altstadt einige Zimmer vermietete. Das Zimmer war gross und das Haus toll, so fühlten wir uns direkt wohl. Zu Fuss liefen wir noch am Abend in die Altstadt, die als UNESCO Weltkulturerbe geschützt ist und sahen uns einen Teil schon mal im Dunkeln an. Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir aber auch schon wieder zurück, denn es war schon spät und wir waren von der Busfahrt müde (ja, rumsitzen und sich rumfahren lassen kann anstrengend sein. Besonders, wenn man in einem Reisebus sitzt).

Tag 1

Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf den Weg in die Altstadt und bestaunten die schönen, alten Häuser und flanierten unten am Fluss entlang. Es gibt viele kleine und grössere Geschäfte, Cafés und Restaurant und man kann den Tag sehr gut dort verbringen. Ausserdem nahmen wir noch an einer Free Walking Tour teil, so erfuhren wir einiges über die Altstadt, z.B., dass eine dort errichtete Kirche aufgrund von mangelnder Stabilität nicht fertiggebaut werden konnte. Die Kirchtürme haben keine Spitzen, was auf einen Berechnungsfehler des deutschen Architekten zurück zu führen ist. Er hatte das Fundament nicht tief genug geplant für die Höhe des Turmes. Ein Riss in der Mitte der Fassade zeigt noch den ersten Hinweis darauf, dass etwas nicht ganz stabil ist.

FssadenrissJPG

Viele Häuser sind von der Kolonialzeit und zum Abschluss besuchten wir noch einen riesigen Markt, der dem in Quito gleicht, einfach noch viel grösser und gingen dann weiter in das Panamahut-Museum.

MarktJPG

InnenhofJPG

fassadetaxiJPG

FassadenquerJPG

Der Panamahut

Der Panamahut, ein typischer „Strohhut“ kommt nämlich eigentlich aus Ecuador und ist nur fälschlicherweise als Panamahut bezeichnet worden. Unterschiedliche Geschichten erzählen den Ursprung des Irrtums zum Beispiel amerikanischer Politiker, die den Hut aus Ecuador in Panama gekauft haben und bei der Rückkehr auf Nachfrage erzählten, er sei aus Panama. Oder Zollstempel, da alle Ware über Panama verzollte wurde, bekam jeder Hut aus Ecuador einen Panama-Stempel und wurde dadurch der Panama-Hut geboren. In dem Museum wurde uns gezeigt, wie die Hüte gemacht werden und auch auf Qualitätsunterschiede hingewiesen. Es gibt also eine günstige Qualität, bei denen die Hüte mit gröberen Strohhalmen geflochten werden. Ein professioneller Flechter bracht ca. 5-14 Tage für einen solchen Hut. Diese Hüte kosten zwischen 20-50 Dollar. Dann gibt es die mittlere Qualität, bei denen die Halme schon wesentlich dünner sind, der Flechter braucht 30-60 Tage, die Hüte sind um die 100-250 Dollar wert. Die höchste Qualität ist mit wirklich winzigen Strohhalmen gemacht, man braucht bis zu 300 Tage um einen (!) Hut herzustellen. Eine unglaubliche Leistung und die Hutflechterei ist nicht zu unrecht zu einem immateriellen Weltkulturerbe ernannt worden. Die Preise der Hüte sind natürlich nach oben hin offen, die teuersten, die wir dort im Museumsgeschäft sahen, waren 500 Dollar.
Eine ungeplante Besichtigung in einem Privathaus
Während wir so durch die Strasse der Altstadt schlenderten, fiel uns ein Schild zu einem Antiquitätengeschäft auf. Wir gingen zu dem Eingang und dort stand, dass man klingeln solle, um den Laden zu besuchen, ausserdem sah es nicht so aus, als wäre jemand dort. Wir wären fast wieder gegangen, klingelten dann aber doch und die Tür wurde mit einem Summer geöffnet. Wir standen in einem überdachten Innenhof und auf einer Holzgalerie bellte sich ein Hund die Seele aus dem Leib. Dann sahen wir dort eine sehr alte und kleine Frau stehen, die herunterrieft, dass der Laden geschlossen sei, man sich aber für vier Dollar das Privathaus der Señora anschauen könne. Wir gingen nach oben und die Señora (ca. 90) sass auf einem Sofa im Wohnzimmer. Sie erklärte uns, dass ihr Grossvater von Europa nach Ecuador gekommen sei und sie als Pianisten auf der ganzen Welt gearbeitet habe. Unter anderem auch in der Schweiz. Sie zeigte uns Fotos, die an den Wänden hingen und schickte uns dann mit ihrer Angestellten fort um das Haus anzuschauen. Das Haus ist aus im 19. Jahrhundert gebaut worden (glaube 1860) und in manchen Zimmern sah es wirklich noch so aus, als wäre nichts verändert worden, ausser dass nun das Porzellan und andere antike Gegenstände ausgestellt waren. In dem Esszimmer stand ein riesiger Tisch, der eingedeckt war und ausserdem hingen in jedem Zimmer Gemälde. Wir durften sogar die Schlafzimmer der beiden Bewohnerinnen anschauen und auch dort sah alles sehr alt aus. Es gab schöne Truhen aus Asien, die die Eltern aus Asien auf ihren Reisen mitgebracht haben. Alles in allem war das Haus wirklich beeindrucken, auch wenn es irgendwie komisch war dort so durch zu laufen, während es noch bewohnt war. Als wir wieder hinaus und hinunter an den Fluss gingen, konnten wir die Rückseite des Hauses sehen und so zwischen den anderen Häusern sah es schon sehr alt und baufällig aus. Die restlichen Häuser sind alle renoviert oder restauriert, da die Altstadt ja unter Denkmalschutz gestellt wurde und nun viele Touristen dort hinreisen.

Caja Nationalpark

Wir verlängerten unseren Aufenthalt in Cuenca um ein paar Tage, da wir es so schön fanden und auch keine Idee hatten, wo wir als nächstes hinfahren wollten. In der Nähe der Stadt breitet sich auf 4000 Meter ü.N. ein Nationalpark aus und wir entschieden dort hinzufahren. Nach ca. 40 Minuten im Bus, in denen dieser sich den Pass, der an dem Park vorbeiführt, die 1400 Höhenmeter hoch arbeitet, stiegen wir aus und liefen ins Besucherzentrum. Der Ranger zeigte uns unterschiedliche Wege zum Wandern und wir starteten eine Wanderung quer durch den Park und vorbei an einigen Seen und Aussichtspunkten. Wir liefen los hinunter zu dem See, welcher direkt neben dem Eingang liegt.

seebaumJPG

Liefen ein wenig neben dem See entlang und stiegen dann über einen Hügel in das Innere des Parks hinab. Durch einen Märchenwald mit unter anderem Quinoa Bäumen zu einem höheren Punkt, der eine tolle Aussicht auf Teile des Parks bot – Weitere Seen, ein Bach, Hügel und Steppe.

park2JPG

waldJPG

Wir waren weite Teile alleine unterwegs, auch wenn wir immer mal wieder andere Wanderer trafen. Die Stille des Ortes war richtig angenehm und erholsam. Nach einem etwas steileren Aufstieg, bei dem wir ganz schön ins Pusten kamen, wohl auch wegen der Höhe, sahen wir schon das Rangerhaus, als uns noch was über den Weg lief.

SchilfJPG

hinterdenKullissenJPG

fotografJPG

Ein paar Meter von uns entfernt, kam eine wilde Lama Herde über die Hügel galoppiert und hatte sogar ein Babylama dabei. So unglaublich süss.

LamasJPG

Wir beobachteten die Lamas ein bisschen und gingen dann den Rest der Strecke zurück zum Haus, um den Bus nach Hause zu nehmen.
Da hatten wir noch einen kleinen Ausflug durch die Stadt, denn der Bus kam an einem anderen Busbahnhof an als wir dachten und so machten wir noch einen kleinen Trip durch die halbe Stadt zurück zu unserer Unterkunft.

FlussparkJPG
regenseeJPG

Inka Ruinen

An unserem letzten Tag machten wir uns auf den Weg, um die Inka Ruinen „Ingapirca“ nördlich von Cuenca zu besichtigen. Wir können mit einem direkten Bus zwei Stunden dort hinfahren und die Fahrt ist spektakulär durch Dörfer und Landschaften, irgendwie kommt es einem so vor, als würden hier die Uhren tatsächlich anders ticken, wenns überhaupt welche gibt. Die von den Ruinen sind noch die Grundmauern erhalten, bis auf den Sonnentempel, der noch ein wenig erhalten ist und durch seine unfassbar genaue Bauweise beeindruckt. Bei einer Führung, lernen wir, dass die Ruinen eine Mischung aus Inka und Cañari (die Urbevölkerung Ecuadors) Bauten sind. Hier stehen die grössten, erhaltenen und bekannten Inka-Ruinen von Ecuador. Während ihrer Ausbreitung zogen sie bis in den Süden Ecuadors hinauf, wo sie friedlich mit den Cañaris zusammen lebten. Einer der grössten Kulturunterschiede zwischen den beiden, war, das die Inkas die Sonne „anbeteten“ wohingegen die Cañaris den Mond verehrten. Die Bauweise unterscheidet sich ebenfalls, so sieht man an den Steinen der erhaltenen Grundmauern, dass die Cañaris mit eher rundlichen Steinen und viel Mörtel bauten, die Inkas hingegen benutzten rechteckige Steine und weniger Mörtel.

InkaruinenJPG

Der Sonnentempel aber ist, wie alle heiligen Gebäude der Inkas, ohne Mörtel gebaut. Die riesigen Steine sitzen perfekt aufeinander und man rätselt noch heute, wie sie es damals geschafft haben so genau zu bauen und die Steine so ideal zu formen.

ruinen2jpg

Es gibt noch ein kleine Museum, in dem unterschiedliche, gefundene Werkzeuge und Gefässe beider Völker ausgestellt werden und auch auf unterschiedliche Essgewohnheiten eingegangen wird. Ausserdem kann man 20 Minuten zu einem Fels laufen, der aussieht, wie ein Cañari-Kopf im Profil. Nach unserem 2.5 stündigen Aufenthalt, fuhren wir mit dem gleichen Bus zurück, mit dem wir gekommen sind. Zu Hause angekommen, packen wir unsere Sachen, denn es geht am nächsten Tag weiter nach Montañita, ein Ort am Meer.

FelsgesichtJPG